Gewalt gegen Jungen

Jungen, die sexuell missbraucht werden oder sexuelle Gewalt erfahren haben, wissen oft nicht, wie es weiter gehen soll.

Jungen, die sexuell missbraucht werden oder sexuelle Gewalt erfahren haben, sind oft ganz durcheinander. Sie haben viele Fragen und wissen nicht, wie es weiter gehen soll. "Das glaubt mir ja doch keiner!" "Warum bin ich wieder hingegangen?" "Bin ich noch ein richtiger Junge?" "Ich bin bestimmt der einzige, dem so was passiert." "Bin ich schwul?" "Was passiert, wenn ich es erzähle?"

Wer kann helfen?

Auch für Jungen ist es oft zu schwer, sich ganz allein zu wehren. Jungen haben ein Recht auf Hilfe. Auch wenn es am Anfang vielleicht spannend war oder es dir ein wenig gefallen hat - du hast keine Schuld! Du hast nichts falsch gemacht, sondern derjenige, der dich missbraucht hat! Überlege dir, wer auf deiner Seite steht und dir helfen kann: ein Freund, eine Freundin, eine Lehrerin, ein Lehrer, deine Eltern oder andere Verwandte, Sozialarbeiter im Jugendzentrum... Auch wenn es schwierig ist: Sprich mit einer Person, der du vertraust. Falls dir jemand nicht glaubt oder dir nicht helfen will, gib nicht auf! Versuch es bei jemand anderem.

Du kannst dich auch an eine Beratungsstelle wenden. Dort arbeiten Leute, die wissen, dass auch Jungen sexuell missbraucht werden. Die glauben dir und überlegen mit dir, was du tun kannst. Sie werden nichts weitersagen und unternehmen, was nicht mit dir abgesprochen ist. Vielleicht möchtest du erst mal anrufen oder jemand soll für dich anrufen.

Du kannst alleine hingehen oder jemand mitnehmen. In der Beratungsstelle kannst du dich auch informieren, wenn du jemanden kennst, der sexuell missbraucht wird. Du kannst dir Hilfe holen, wenn du mitkriegst, dass andere Jungen jemanden sexuell belästigen und du allein nichts dagegen machen kannst. (Mit freundlicher Genehmigung aus "Die Nachricht - Taschenheft für Jungen über sexuellen Missbrauch an Jungen" © Zartbitter Köln e.V., Sachsenring 2-4, 50677 Köln)
Kontakt und weitere Informationen: www.zartbitter.de

Jungen werden als Opfer übersehen

Es ist zu befürchten, dass den meisten männlichen Opfern sexueller Gewalt eine angemessene Unterstützung bei der Verarbeitung der Opfererfahrung zur Zeit verwehrt bleibt.

Eine plausible Erklärung für diesen offensichtlichen Widerstand ist das immer noch weit verbreitete Geschlechtsrollenklischee vom wehrhaften Jungen bzw. Mann. Danach schließen Opfer-Sein und Männlich-Sein einander aus. So glauben Jungen und Männer z.B. dass männliche Opfer sexueller Gewalt eher selten sind. Die vorherrschenden Männlichkeits-Bilder beeinflussen zudem die Wahrnehmung und Verarbeitung sexueller Gewalterfahrungen durch die Betroffenen selbst. Immer wieder finden sich Hinweise, dass ein großer Teil der von sexueller Gewalt betroffenen Jungen sich sehr spät oder nie mitteilen und Hilfe für die Verarbeitung der Missbrauchserfahrung in Anspruch nehmen.

Darüber hinaus bestimmen die vorherrschenden Bilder von Männlichkeit, wie männliche Opfer von ihrer Umwelt wahrgenommen werden und ob bzw. wie ihnen Hilfe angeboten wird. Den Problemen von Jungen, sich als Opfer sexueller Gewalt wahrzunehmen, entspricht die Tendenz der Umwelt, Jungen als Opfer zu übersehen bzw. den betroffenen Jungen keine angemessene Hilfe an zu bieten. Die Gestaltung eines angemessenen Hilfeangebots muss daher sowohl im Kontakt mit den betroffenen Jungen als auch auf Seiten der Helferinnen und Helfer jungenspezifische Aspekte berücksichtigen. (Mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Herausgeber. Quelle: Ulfert Boehme (2002): Jungen als Opfer. In: Bange, Dirk/ Körner, Wilhelm (2002): Handwörterbuch Sexueller Missbrauch; Göttingen; Hogrefe (245-252)

Ansprechpartnerin

  • Sahle, Dorota

    Referentin Gender Mainstreaming, Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt im Sport
    Telefon: 0203 7381-847
    Telefax: ---
    Direktkontakt
Seite 1 von 1
Kontaktformular

Seite weiterempfehlen

Schließen [x]* Pflichtfelder