
Niemanden mehr ausschließen. Jedem die Möglichkeiten bieten, die für seine individuellen Voraussetzungen geeignet sind. Das ist die Idee der Inklusion. Ein Beispiel, wie sie im Sport praktisch gelebt werden kann, liefert der Verein für Bewegungsförderung und Gesundheitssport e.V. in Mülheim/Ruhr. Dort treiben Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam Sport. Es sind aber nicht nur die Sportangebote, die den Verein hier außergewöhnlich machen.
„Wenn behinderte Kinder bemerken, dass sie nicht das Gleiche können wie die nichtbehinderten, verlieren manche die Lust“, beschreibt Alfred Beyer eine Klippe bei Anfängern in den Sportangeboten seines Vereins. „Aber die meisten, die kommen, bleiben“, ist er stolz.
Der "Verein für alle" schließt niemanden aus
Alfred Beyer ist Vorsitzender des Vereins für Bewegungsförderung und Gesundheitssport (VBGS) e.V. in Mülheim an der Ruhr. Unter dem Motto „Integration und Inklusion leben!“ bietet der VBGS insbesondere Bewegungsspiele und Gymnastik sowie Schwimmtraining. Als „Verein für alle“ finden hier Nichtbehinderte ebenso ihren Platz wie Menschen mit geistigen oder körperlichen Handicaps, Benachteiligte mit Lernschwierigkeiten, Interessierte mit Migrationshintergrund oder sozial Schwache.
Neben den Sportangeboten verfügt die VBGS über eine „Beratungs- und Begegnungsstätte“, barrierefrei ausgebaut ist. Außerdem gibt es einen Fahrdienst, ein Internetcafe mit Spezialtastaturen sowie ein reges Freizeitangebot.
Jeder kann am gesellschaftlichen Leben teilnehmen
„Inklusion ist für den VBGS gelebte Realität“, so Beyer. Inklusion bedeutet sinngemäß Einbeziehung und Zugehörigkeit. In einer inklusiven Gesellschaft wird jeder in seiner Individualität akzeptiert und hat die Möglichkeit, in vollem Umfang am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Dabei muss nicht der Einzelne bestimmte Normen erfüllen, sondern die Gesellschaft erarbeitet die Rahmenbedingungen, in denen er sich mit seinen Besonderheiten einbringt. Was Selbstbestimmung fördert, aber auch Eigenverantwortung fordert.
Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und geht auch die Sportvereine an
„Inklusion wird meist in Verbindung mit Menschen mit Behinderung diskutiert, doch geht das Verständnis weit über den Behindertenbegriff hinaus“, differenziert Dr. Volker Anneken vom Forschungsinstitut für Inklusion durch Bewegung und Sport, Köln. Im Grunde geht es um die gleichberechtigte Teilhabe aller benachteiligten Gruppen am gesellschaftlichen Leben.
Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Daher ist auch der organisierte Sport aufgerufen, im Sinne der am 29. März 2009 in Kraft getretenen UN Behindertenrechtskonvention zu handeln, um ‚Menschen mit Behinderungen die gleichberechtigte Teilnahme an Erholungs-, Freizeit- und Sportaktivitäten zu ermöglichen‘. Dies machen LSB-Präsident Walter Schneeloch und Reinhard Schneider, der Vorsitzende des BSNW, im Vorwort dieser Ausgabe klar. Das heißt, dass neben behinderungsspezifischen Angeboten künftig auch die Angebote des lokalen Sportvereins offen stehen müssen. Das erfordert Umdenken.
Den Gedanken der Inklusion durch entsprechende Sportangebote umsetzen
Dr. Volker Anneken ist zuversichtlich: „Durch Sport ist eine Menge möglich, weil ja gerade der Sport das stark verbindende Element hat.“ Aus seiner Arbeit mit Vereinen, die keinen Bezug zum Behindertensport haben, stellt er fest: „Ich treffe auf Offenheit, aber es gibt ein großes Bedürfnis nach Information.“
Bewusstsein zu schaffen sei aus seiner Sicht der nächste, zentrale Schritt auf dem Weg zu inklusiven Strukturen. Der Sport kennt viele erfolgreiche integrative Modelle, die als Wegweiser dienen können. Das DJK Franz Sales Haus in Essen e.V. setzt seit Jahren den Gedanken des integrativen Sports konsequent um. Besonders hervorzuheben ist das von der Tischtennis-Abteilung entwickelte Turnier „MitMenschen“. Hier spielen u. a. in Doppelpaarungen je ein geistig behinderter Spieler und ein nicht behinderter Spieler gemeinsam.
Der Tanzsportclub „Die Residenz Münster e.V.“ beheimatet Trainingsgruppen für Tänzerinnen und Tänzer mit und ohne Handicap. Ein Highlight werden die gemeinsamen Jugendlager von LSB und BSNW, die während der Olympischen Spiele und den Paralympics im nächsten Jahr stattfinden. Die Liste ließe sich fortsetzen, dennoch sind die Beispiele nur Schritte auf dem Weg zu umfassend anderen Strukturen, die unser Bewusstsein im Umgang miteinander verändern werden. Für eine bessere Welt!
Text: Michael Stephan
Fotos: Andrea Bowinkelmann