
Sportintern gilt der Landessportbund NRW als führend bei der Umsetzung von präventiven Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt. Um die Akzeptanz der einzelnen Maßnahmen zu erhöhen und die Möglichkeiten der Intervention auszubauen, haben das Präsidium des LSB und der Vorstand der Sportjugend NRW nun ein 10-Punkte-Aktionsprogramm beschlossen.
Wenn am 1. Januar 2012 das neue Bundeskinderschutzgesetz in Kraft tritt, ist der organisierte Sport in NRW bereits auf die wesentlichen zu erwartenden Neuerungen vorbereitet. In einem 10-Punkte-Aktionsprogramm hat der LSB seine bisherigen Maßnahmen zu einem ganzheitlichen Präventionskonzept gebündelt und durch weitere Bausteine ergänzt.
Bewährte Bestandteile sind unter anderem die vielfältigen Informationen und Materialien, die für die Thematik sensibilisieren und über Rahmenbedingungen informieren. Das findet teils durch Broschüren und digitale Medien statt. Über das Vereins-, Informations-, Beratungs- und Schulungssystem (VIBSS) des LSB werden weiterhin Seminare und Informationsveranstaltungen für Fachverbände, Bünde und Sportvereine durchgeführt.
Bessere Schutzwirkung
Neu sind in diesem Zusammenhang die Entwicklung eines Elternratgebers sowie die unterstützende Begleitung des LSB bei der Entwicklung von fachspezifischen Präventionskonzepten durch seine Mitgliedsorganisationen.
Dazu wird ein eigener Leitfaden fertig gestellt. Der Sport dürfe kein Betätigungsfeld für potenzielle Täter sein, beschreibt Dorota Sahle das Hauptziel des Aktionsprogramms. Die Referentin für Gender Mainstreaming und Chancengleichheit beim LSB sieht die bessere Schutzwirkung des LSB-Programms vor allem darin, dass sich die unterschiedlichen Maßnahmen und Bausteine gegenseitig ergänzen: „Als Einzelmaßnahmen erzeugen sie keine ausreichende Wirkung!“
Erweitertes Führungszeugnis
Die breit angelegte Informationsarbeit wird deshalb auch durch das erweiterte Führungszeugnis und einen neuen Ehrenkodex ergänzt. Bisher war die Unterzeichnung des Ehrenkodex freiwillig.
Ab 2012 soll eine überarbeitete themenübergreifende Fassung vorliegen, die zum einen als freiwillige Selbstverpflichtung von allen in der Jugendarbeit tätigen Betreuerinnen und Betreuern unterschrieben werden soll.
Prävention und Intervention im Focus
Zum anderen wird die Thematik „Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt im Sport“ ab Mitte 2012 ein verbindlicher Bestandteil der Lizenzausbildung des LSB, so dass der Ehrenkodex am Ende jeder Lizenzmaßnahme von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern unterschrieben wird.
Stärker im Fokus wird zukünftig zudem der Bereich der Intervention stehen. „Wir müssen Vereine, Verbände und Bünde in die Lage versetzen, schon bei der kleinsten Unklarheit handlungsfähig zu sein“, beschreibt Dorota Sahle die Ausgangslage.
„Vereinsvorstände sind bei einem Verdachtsfall häufig überfordert.“ Das gelte es abzustellen. Die Erfahrung habe gezeigt, dass Vereine mit einem Leitfaden und einem klaren Handlungskonzept gut sowohl mit Anfragen als auch mit Verdachtsmomenten umgehen können. Solche Vereine sind durch ein klares und transparentes Handlungskonzept auch attraktiv für die eigenen Mitglieder und Eltern minderjähriger Vereinsmitglieder. Daher ist für das kommende Jahr ein Präventions- und Interventionsleitfaden geplant, der bei Krisen- und Verdachtfällen zum Einsatz kommen soll und flächendeckend an die Vereine in NRW verteilt wird.
Außerdem sieht das Aktionsprogramm ab Oktober die Qualifizierung von Ansprechpersonen als Anlaufstelle in Verbände und Bünde vor.
Erweitertes Führungszeugnis
Interview mit dem LSB-Vorstandsvorsitzenden Dr. Christoph Niessen zum 10-Punkte-Aktionsprogramm
Text: Peer-Boris Weichsel