Bewegt älter werden in NRW

Einzigartige Chancen für die Vereine

  • Bewegt älter werden in NRW
    Diskussionsrunde "Bewegt älter werden in NRW"!: (v.l.:) Ministerin Ute Schäfer, Prof. Dr. Dr. h.c. Ursular Lehr und Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer

Es herrschte Aufbruchstimmung. Der Startschuss zur Umsetzung des Programms „Bewegt älter werden in NRW“ am 21. November in der Stadthalle Mülheim zeigte: Das Thema bewegt und trifft den Nerv der Zeit. Der Landessportbund NRW präsentierte sich vor Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Sport als programmatisch gut gerüsteter Initiator im Land.  

Noch vor 300 Jahren erreichte nur einer von Hundert sein 85. Lebensjahr. Heute erlebt jede zweite Frau ihren 85. Geburtstag und jeder zweite Mann wird mindestens 80! Das hat Konsequenzen: 2025 wird rund jeder Dritte 60 Jahre und älter sein, die unter 20-Jährigen werden nur noch 17,1 Prozent ausmachen.  

  • LSB-Präsident Walter Schneeloch
    LSB-Präsident Walter Schneeloch

Ältere sind für Vereine Zielgruppe mit großer Perspektive

„Der organisierte Sport hat mit Blick auf diese Entwicklung die einzigartige Chance, sich mit seinem Potenzial und dem vielfältigen Angebot im Bereich `Bewegung und Sport` erfolgreich und nachhaltig für

eine verbesserte Lebensqualität der älteren Generation einzusetzen“, betonte LSB-Präsident Walter Schneeloch bei der Auftaktveranstaltung, aber: „Es muss noch Überzeugungsarbeit geleistet werden, damit alle Sportvereine erkennen, dass Ältere eine Zielgruppe mit großer Zukunftsperspektive sind!“  

Bewegung ist ein wesentlicher Schlüsselfaktor für Gesundheit und Wohlbefinden bis ins höchste Alter

Und Sportvereine bieten zudem für die Zielgruppe wichtige Kommunikationsangebote, ein soziales Umfeld und Möglichkeiten zum Engagement. Derzeit sind (nur) 17 Prozent der älteren Männer und Frauen über 60 Jahre im Sportverein organisiert. Dem steht die große Mehrheit derjenigen gegenüber, die immer noch eher bewegungsinaktiv sind.  

Mit dem Programm "Bewegt älter werden in NRW" hat der gemeinwohlorientierte organisierte Sport in NRW seine gesellschaftliche Verantwortung angenommen sowie einen neuen strategischen und strukturellen Handlungsrahmen geschaffen. Der Landessportbund NRW rief in Mülheim Verbände und Bünde auf, sich in das Programm einzubinden.  

Neues Breitensportprogramm angekündigt

Für die Landesregierung unterstrich „Sportministerin“ Ute Schäfer, dass es gelte, Ältere verstärkt anzusprechen: „Selbstbestimmung und Selbsthilfe werden angesichts des demografischen Wandels immer wichtiger. Ältere müssen die Möglichkeit haben, aktiv für ihre Selbstständigkeit und Gesundheit vorzusorgen.“ Sie kündigte ein neues Breitensportprogramm an, das derzeit zwischen Landesregierung und LSB abgestimmt werde. 

„Mit dem Programm `Bewegt älter werden in NRW` fügt der Landessportbund NRW den nunmehr vierten und letzten Baustein seiner Gesamtprogrammatik hinzu. Diese steht unter dem Claim `Sport bewegt NRW` und beinhaltet die bereits gestarteten Programmen `NRW bewegt seine Kinder`, `Bewegt gesund bleiben in NRW` und `Spitzensport fördern in NRW`, betonte Dr. Christoph Niessen, Vorstandsvorsitzender des LSB. 

  • LSB-Vizepräsidentin Bärbel Dittrich
    LSB-Vizepräsidentin Bärbel Dittrich

Bewegung und Sport bei Älteren fördern

Eingebettet ist „Bewegt älter werden in NRW“ darüber hinaus in das Konzept „Chancen ergreifen, Perspektiven schaffen, unsere Gesellschaft mitgestalten –

Vereinsport 2020“. Vier einander ergänzende Schwerpunkte charakterisieren es.

An erster Stelle geht es darum, „Bewegung und Sport in der Zielgruppe der Älteren“ zu fördern. Bärbel Dittrich, LSB-Vizepräsidentin Breitensport/Sporträume, verwies darauf: „Seit vielen Jahren haben wir in der Zielgruppe 61 Jahre und älter die höchsten Zuwachsraten.“  

Punkt zwei lautet: „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen, Bildung und Qualifizierung“. Es liegt auf der Hand: Ohne eine auf die speziellen Bedürfnisse der Älteren ausgerichtete, ausreichende und qualifizierte Mitarbeiterschaft geht es nicht. Dabei liegen die bisherigen Qualifizierungszahlen deutlich unter dem Bedarf der Zukunft, wie Bärbel Dittrich aufzeigte. 

Der dritte Schwerpunkt betont „Generationenbeziehungen, Integration und Engagement“. Sportvereine sind Bindeglieder der Generationen, Orte der Integration und des Engagements – gerade auch für Ältere. 

Punkt vier heißt: „Kommunales Netzwerkmanagement, Kooperationen und Partnerschaften“. Fakt ist eben: Der Sport kann es nicht alleine machen.  

Barrieren für Ältere abbauen

Das Thema Vernetzung stand auch in den kompetent besetzten Diskussionsrunden im Fokus. Gerade Seniorenorganisationen bieten sich hier als ideale Ansprechpartner an. Darüber hinaus widmete man sich der Frage, wie man Barrieren abbaut, die Ältere daran hindern, Sportangebote wahrzunehmen. Professor Dr. Ursula Lehr, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen, unterstrich, dass Sport und regelmäßige Bewegung unerlässlich seien, um sich körperlich und geistig bis ins hohe Alter fit zu halten. Dieses müsse den Menschen frühzeitig vermittelt werden.  

Es gibt also noch viel zu tun. Der Auftakt ist jedenfalls gelungen! Und Professor Dr. Dietrich Grönemeyer brachte es als Sportbegeisterter und eifriger Mitdiskutant so auf den Punkt: „Turne bis zur Urne.“ 

Text: Theo Düttmann, Michael Stephan
Fotos Andrea Bowinkelmann

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